Montag, 24. August 2015

Ge-DANK-en zur Zeit und zur DANKbarkeit




Tage wie heute, wo ich normalerweise meinen 13. Hochzeitstag feiern würde, sind Tage, an denen wohl oder übel innegehalten werden will. Übel, weil der schmerzliche Verlust ins alltägliche Bewusstsein drängt und seinen Raum fordert. Übel auch, weil die Diskrepanz zwischen dem förmlich aus dem Foto heraus strahlenden Glück und der Gewissheit über eine glückliche Zukunft jenes Tages und der heutigen Realität so unerträglich gross ist.  Wohl oder übel. Das übel kommt automatisch. Das wohl wird nicht geschenkt. Es muss dem übel bewusst entgegengestellt werden.
Dazu steigt heute ein Wort ganz gross in mir hoch und will gesehen und gestaltet werden:

                                                   D A N K B A R K E I T

Und in diesem Zusammenhang begleitet mich seit einigen Monaten Jovanottis Song "Quando sarò vecchio".  Darin geht es darum, dass er sich, wenn er alt sein wird, nur noch an die schönen Zeiten erinnern will. Dass er sich bewusst wird, sich nicht genügend bedankt zu haben, bei denen, die sein Leben in irgendeiner Weise reicher gemacht haben. Dass Jahrhunderte von Geschichte nichts zählen im Vergleich zu einer einzigen, wirklich gelebten Sekunde.
Das alles gibt mir zu denken und erfüllt mich mit einer riesigen, tief berührenden Dankbarkeit: Die mit Ingo/Marco erlebte Zeit hat mich unendlich reich gemacht. Alles, was ich seit seinem Tod erlebt habe, hat mich traurig, stark, schwach, überfordert, einsam, aufgehoben, bitter, geborgen, souverän, selbstständig, ungeliebt, geliebt, optimistisch, ..... das-Leben-intensiv-lebend fühlen lassen. Es ist ein Spektrum an Lebenssubstanz, das seinesgleichen sucht. Nicht immer "judihudi-trallalla", nicht gewöhnlich, nicht normal. Aber ungemein reich.

Dafür danke ich Ingo/Marco. Und ich danke all jenen Menschen aus tiefstem Herzen,

die mir im Laufe meines Lebens von Herz zu Herz begegnet sind,
die mich in irgendeiner Weise berührt haben,
die mich zum Lachen oder zum Weinen brachten,
die mich einen Abend lang wohl fühlen liessen,
die mir eine schöne Geschichte erzählt haben,
die mir etwas über das Leben beibrachten,
die mich aufgemuntert haben, weiterzumachen, dann, wenn ich nicht mehr konnte,
die mich in unausgeglichenen Momenten ausgehalten haben,
die sich meinen Fragen stellten,
die mein Hinterfragen annahmen,
die mit mir über die Grenzen hinaus gingen,
die pure Lebenslust mit mir teilten,
die sich eingelassen haben auf unergründliche Tiefen,
die mir etwas gezeigt haben, das immer in mir leuchten wird
......
......
......

DANKE!

Jovanotti "quando sarò vecchio"


1 Kommentar:

  1. Liebe Claudia, ich bin sehr berührt, wie offen du mit dem Thema umgehst.
    Freue mich auf geteilte Zeit, herzlich
    Fredy

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